19.01.2026
Krebs-Vorsorgetag: Krebs betrifft immer mehr Jüngere
AKH Wien und MedUni Wien laden zum Krebs-Vorsorgetag am 31. Jänner 2026
Weltweit nehmen Krebserkrankungen bei jungen Erwachsenen zu. Betroffen sind sie vor allem von Darm-, Brust-, Magen-, Bauchspeicheldrüsen- und Leberkrebs. Laut WHO könnten 30 bis 50 Prozent aller Krebserkrankungen durch Lebensstilmaßnahmen, Impfungen oder Umweltfaktoren verhindert werden. Mehr über das Krebsrisiko bei GenX und Millennials und über Krebsprävention und Früherkennung am Programm des Krebs-Vorsorgetages des Comprehensive Cancer Centers (CCC) von AKH Wien und MedUni Wien. Erstmals sind junge Menschen und Eltern besonders eingeladen, ebenso wird wieder die HPV Impfung vor Ort angeboten.
Der 31. Jänner 2026 steht ganz im Zeichen der Krebsvorsorge. Das CCC von AKH Wien und MedUni Wien lädt alle Interessierten von 10 Uhr bis 13 Uhr in den Van Swieten Saal (1090 Wien, Van Swieten Gasse 1a) ein, sich bei Vorträgen und persönlichen Gesprächen mit führenden Expert:innen über das persönliche Risiko und das Thema "Krebsvorsorge" zu informieren. Für alle, die nicht vor Ort dabei sein können, gibt es einen Livestream. "Veranstaltungen wie der Krebs-Vorsorgetag sind von großer Bedeutung, denn so haben wir die Möglichkeit Aufklärungsarbeit zu betreiben und können möglicherweise mithelfen die eine oder andere Erkrankung frühzeitig zu erkennen oder sogar zu verhindern", so Gabriela Kornek, Ärztliche Direktorin des AKH Wien, Leitungsteam CCC Cancer School, und Shahrokh Shariat, Leiter des CCC Vienna, unisono.
Früh erkrankt, schwer betroffen: Krebsrisiken bei GenX und Millennials
Weltweit zeigen Zahlen zu Krebserkrankungen, dass immer öfter Menschen der Generation X und die Millennials betroffen sind. "Zu den Hauptrisiken zählen eine Ernährung mit vielen ultra-verarbeiteten Lebensmitteln, der frühe Einsatz von Antibiotika, Übergewicht, Bewegungsmangel, Alkohol und möglicherweise endokrine Disruptoren und andere Chemikalien", so Eva Schernhammer, Leiterin der Abteilung für Epidemiologie, Zentrum für Public Health, MedUni Wien, in ihrer Keynote. Dieser Trend bestätigt sich auch in Österreich: In den Jahren 1996 bis 2020 traten insgesamt mehr als 56.000 Krankheitsfälle bei jungen Erwachsenen auf. Brustkrebs (47,3 %), Darmkrebs (12,8 %) und Lungenkrebs (11,3 %) sind dabei führend. Für Eva Schernhammer sind umfangreiche Präventionsmaßnahmen notwendig, um die zukünftige Belastung zu verringern. "Für einige Krebsarten - insbesondere für Darmkrebs - wurden aufgrund der steigenden Zahlen bereits Leitlinien geändert und frühere Vorsorgeuntersuchungen vorgeschlagen und auch umgesetzt", so Schernhammer und ergänzt: "Es besteht dringender Forschungsbedarf hinsichtlich der Expositionen in jungen Jahren und der Wechselwirkungen verschiedener Faktoren im Laufe des Lebens."
Frühere Erkrankung bei genetischer Disposition bei Brustkrebs
Beim Krebs-Vorsorgetag bringen Expert:innen bei Panel-Diskussionen ihre Perspektiven, Erkenntnisse und Erfahrungen zu Themen wie "Krebs bei Kindern und Jugendlichen" und "Was Eltern wissen sollten", ein. Ein Fokus wird zudem beim Thema "Genetik als Risikofaktor" liegen. Frauen mit erblichem Risiko bei Brustkrebs erkranken im Schnitt etwa 20 Jahre früher an Brustkrebs. Christian Singer, Leiter des Brustkrebszentrums am CCC informiert über familiäre Disposition. "Etwas mehr als 10 % aller Brustkrebserkrankungen treten familiär gehäuft auf. In wiederum etwa der Hälfte davon - rund 5-7 % aller Brustkrebserkrankungen - sind Mutationen in einem der beiden Brustkrebsgene BRCA-1 und BRCA-2 ("BReast CAncer"-Gene) ursächlich für die Erkrankung verantwortlich", so Singer. Er empfiehlt als wesentlichen ersten Vorsorgeschritt bei familiärer Vorbelastung das genetische Beratungsgespräch durch entsprechend geschulte Fachärzt:innen für Gynäkologie und Geburtshilfe. Ist eine genetische Testung angebracht, können heute bis zu 18 verschiedene Krebsgene erkannt werden.
Mit Künstlicher Intelligenz (KI) zur transparenten Entscheidungsfindung
Wie sehr Künstliche Intelligenz in der Krebsmedizin an Bedeutung gewinnt, darüber informiert beim Krebs-Vorsorgetag David S. Fischer, Assistant Professor am Institute of Artificial Intelligence & Comprehensive Center for AI in Medicine, MedUni Wien. "Moderne Krebsdiagnostik nutzt zunehmend komplexe Daten - bildgebende Verfahren, molekulare Profile und genetische Informationen. Diese Datenmenge übersteigt bei weitem die Interpretationskapazität von Menschen. Hier zeigt sich die Stärke der KI, die eine wesentliche Unterstützung bei der transparenten Entscheidungsfindung ist", so Fischer. In einer weiteren Panel-Diskussion werden die Themen "Machen Essen und Umgebung Krebs?" und "Aktiv gegen Krebs" erläutert.
HNO-Tumoren und HPV - was hat das miteinander zu tun?
HPV (Humanes Papillomavirus) ist ein sehr häufiges Virus, das meist durch sexuellen Kontakt im jungen Erwachsenenalter übertragen wird. Bestimmte HPV-Typen (vor allem HPV16) können Jahre später Krebs verursachen. Im HNO-Bereich betrifft das vor allem Tumore des Rachenraums (z. B. Mandeln). Diese HPV-bedingten Tumoren nehmen seit Jahren deutlich zu und unterscheiden sich von Tumoren, die durch Rauchen oder Alkohol entstehen. Sie sprechen oft besser auf die Behandlung an. In vielen westlichen Ländern werden heute über die Hälfte der Rachentumoren durch HPV verursacht. Junge erwerben oft die Infektionen und erkranken später im mittleren Alter an Krebs, auch Menschen, die nie geraucht haben. Männer sind insgesamt häufiger betroffen als Frauen. "Die HPV-Impfung schützt sehr wirksam vor den wichtigsten krebsauslösenden HPV-Typen, auch vor denen, die Rachentumoren verursachen. Sie wirkt am besten vor dem ersten sexuellen Kontakt, wird aber für alle jungen Menschen empfohlen, besonders auch für Buben und Männer. Leider sind die Impfquoten hier noch zu niedrig, obwohl viele dieser Tumoren vermeidbar wären", so Isabella Stanisz, Fachärztin an der Universitätsklinik für HNO, MedUni Wien, die einen Vortrag über HPV und HNO halten wird.
Mikro- und Nanoplastik und Krebs: Neue Erkenntnisse durch innovative Nachweismethoden
Mikro- und Nanoplastikpartikel (MNPs) sind mittlerweile allgegenwärtig und gelangen über Nahrung, Wasser und Luft in den menschlichen Körper. In den letzten Jahren konnte das Forschungsteam um Lukas Kenner zeigen, dass diese Partikel nicht nur in menschlichen Geweben nachweisbar sind, sondern auch biologisch relevante Effekte entfalten können. Ein entscheidender Fortschritt für die Krebs- und Umweltmedizin ist die Entwicklung neuer analytischer Methoden. Dadurch können Kunststoffpartikel direkt im Kontext von Entzündung, Gewebeschädigung und Tumorveränderungen analysiert werden - ohne Verlust der histologischen Struktur. "Diese Kombination aus innovativer Analytik und funktionellen biologischen Modellen eröffnet neue Möglichkeiten, den Einfluss von Mikro- und Nanoplastik auf die Krebsentstehung und -verlauf systematisch zu untersuchen", so Lukas Kenner, Klinisches Institut für Pathologie der MedUni Wien und des AKH Wien, der am Vorsorgetag über Mikroplastik und Krebs informieren wird.
HPV-Nachholimpfung: Erfolgreiches Angebot für 21- bis 30-Jährige noch bis Ende Juni 2026 möglich
"Die HPV-Impfung gibt es im Rahmen des kostenlosen Kinderimpfprogramms eigentlich nur für junge Menschen bis zum vollendeten 21. Lebensjahr. Wer der Altersfrist versäumte, musste die Impfung selbst bezahlen, was bis zu mehreren hundert Euro kostet. Von Juli 2024 bis 31. Dezember 2025 wurde daher eine Nachholimpfung für Personen vom vollendeten 21. bis zum vollendeten 30. Lebensjahr eingeführt. Diese Frist wird nun für all jene verlängert, die ihre kostenlose Erstimpfung bereits haben; für sie ist die Zweitimpfung bis 30.06.2026 kostenlos. Wir als ÖGK sehen es als unsere Aufgabe, diese Entwicklungen aktiv mitzugestalten - im Sinne einer Versorgung, die nah an den Menschen ist und auch in Zukunft trägt", betont Andreas Krauter, Chefarzt der Österreichischen Gesundheitskasse.
Vorsorge aktiv nutzen
Beim Krebs-Vorsorgetag geht es nicht nur um Aufklärung und Informationen, sondern auch um ein aktives Vorsorgeangebot: Im Health Mobil der Österreichischen Gesellschaft vom Goldenen Kreuze gibt es für alle im Alter von 21 bis 29, die bis 31. 12. 2025 eine HPV-Impfung erhalten haben, die kostenlose zweite Impfung. Dazu ist das Health Mobil der Österreichischen Gesellschaft vom Goldenen Kreuz vor Ort. Interessierte können sich in diesem fahrenden Gesundheitszentrum kostenlos und ohne Anmeldung von Ärzt:innen beraten und auch gleich impfen lassen. Weitere Infos und Termine der Health Mobil-Tour finden sich unter www.oeggk.at/health-mobil.



